Stand: 28.01.2020
Anfang Januar wurden in der Millionenstadt Wuhan in der Provinz Hubei 59 Fälle einer Lungenentzündung unbekannter Ursache gemeldet. Die ersten Patienten waren bereits Ende Dezember erkrankt. Sie zeigten Symptome einer atypischen Lungenentzündung, häufig mit Fieber, Unwohlsein, trockenem Husten und Kurzatmigkeit. Die Befürchtung, dass es sich um den Erreger von SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) handeln könnte, hat sich nicht bestätigt. Auch MERS-CoV und Influenza A H5N1 konnten als Ursache ausgeschlossen werden. Bei 41 Betroffenen wurde ein bisher unbekanntes Coronavirus mit der vorläufigen Benennung 2019-nCoV nachgewiesen.

Bis zum 28. Januar ist die Zahl der bestätigten Fälle auf ca. 4.423 gestiegen, die meisten davon stammen aus Wuhan. 107 Menschen sind verstorben. Insgesamt sind 30 Provinzen und die Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau betroffen, sowie die Städte Peking, Shanghai, Tianjin und Chongqing.

Die erste Infektion außerhalb Chinas wurde am 14. Januar in Bangkok (Thailand) gemeldet. Inzwischen wurden weitere Einzelfälle u.a. in folgende Länder exportiert: Thailand, Vietnam, Japan, Südkorea, Taiwan, Singapur, Kambodscha, Sri Lanka, Nepal, Australien, USA und Kanada. Die ersten Infektionen in Europa wurden aus Frankreich gemeldet. 2 Patienten werden in Paris, einer in Bordeaux behandelt, alle hatten sich zuvor in China aufgehalten. Am 28. Januar wurde die erste Infektion in Deutschland bestätigt. Ein 33-jähriger Mann aus Bayern wird in der München Klinik Schwabing behandelt, er hat sich bei einer chinesischen Kollegin infiziert. Die Frau aus Shanghai hatte vor ihrer Reise nach Deutschland Kontakt zu ihren Eltern, die in Wuhan leben. Nach ihrer Rückkehr wurde bei ihr 2019-nCoV nachgewiesen. Bisher wurden 40 Kontaktpersonen ermittelt.

Aufgrund der Tatsache, dass ein Großteil der Betroffenen den lokalen Fischmarkt in Wuhan besucht oder dort gearbeitet hatte, wird ein tierisches Reservoir des Erregers vermutet. Die ursprüngliche Infektionsquelle konnte noch nicht sicher identifiziert werden. Es wird aktuell davon ausgegangen, dass das Virus über den Verzehr von Schlangen auf Menschen übergegangen ist. Als ursprüngliches Erregerreservoir wurden Fledermäuse nachgewiesen, die generell als Träger für Coronaviren dienen.

Am 1. Januar haben die Behörden den Markt, auf dem auch andere lebende Tiere gehandelt wurden, geschlossen und desinfiziert. Nachdem auch medizinisches Personal erkrankt ist, haben die Behörden eine begrenzte Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch bestätigt. Daher scheint die Schließung des Marktes eine etwas verspätete Reaktion zu sein, die die weitere Dynamik des Ausbruches nicht mehr beeinflussen wird.

Seitens der chinesischen Behörden wurde aufgrund der Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am 25. Januar eine weitere Ausbreitung der Infektion befürchtet. Daher wurden einige Städte unter Quarantäne gestellt und das Tragen von Gesichtsmasken an einigen Orten zur allgemeinen Auflage gemacht.

Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) hat Mitte Januar ein Nachweisverfahren veröffentlicht. Dieses hat die WHO als ersten diagnostischen Leitfaden veröffentlicht.

Der Notfallausschuss der WHO hat bisher davon abgesehen, eine internationale Gesundheitsnotlage („Public Health Emergency of International Concern“ PHEIC) auszurufen, da die Gefahr einer globalen Übertragung als minimal angesehen wurde. Diese Einschätzung mag unter dem aktuellen Druck von Presse und Öffentlichkeit revidiert werden.

Reisende sollten besonders sorgfältig auf Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen achten. Der Kontakt zu Erkrankten sollte vermieden werden, jedoch ist die Infektionsgefahr sehr gering. Ein Import von Einzelfällen durch Reisende ist möglich. Das Risiko für eine weitere Ausbreitung in Deutschland schätzt das RKI derzeit als gering ein.

Stand CRM 28.1.2020